Video: Michael May im Gespräch mit Erek Ramschütz

Video: Michael May im Gespräch mit Erek Ramschütz

Ein Film von Erek Ramschütz & Tino Pauli

Rennfahrer, Ingenieur, Forscher: Michael May (geboren am 18. August 1934 in Stuttgart) ist ein echtes Multitalent der Automobilgeschichte. Weltweit bekannt wurde er vor allem als Pionier der Turbolader-Technologie. Mit seiner legendären Firma Turbo May GmbH mischte er in den 1960er und 1970er Jahren die PS-Welt auf und sorgte für enormes Aufsehen. Doch sein Schaffen reicht weit über den Turbo hinaus: Zahlreiche innovative und faszinierende Projekte prägten die außergewöhnliche Laufbahn dieses Visionärs.

In diesem exklusiven Interview stellt sich Michael May den Fragen von Erek Ramschütz. Entstanden ist eine packende und sehr gelungene Darstellung eines großartigen Lebenswerkes, das Technikgeschichte geschrieben hat.

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Urheberrechtshinweis: Alle Rechte an diesem Film liegen bei der Videoproduktion Tino Pauli.

Michael G. May 90. Geburtstag

Michael G. May 90. Geburtstag

90 Jahre Michael G. May

Lieber Michael,

herzlichen Glückwunsch zu deinem 90. Geburtstag! Dein vielseitiges Leben ist ein Geschenk für uns alle, dem wir uns mit Hochachtung verneigen.
Mögest du noch viele Jahre uns begleiten und es voller Glück und Gesundheit erleben.

Alles Liebe und Gute für dich

Frank und alle TURBO MAY Fans

Als der May kam!

Als der May kam!

Mitte Juli letzten Jahres luden die Capri Freaks Bayern zu ihrem zweiten Treffen nach Seemannshausen in Niederbayern ein. Es kamen rund 120 Capri, deren Besitzer auf dem Gelände des ehemaligen Klosters mit zwei Biergärten und dem gemütlichen Klosterbräustadl wieder bestens mit erfrischendem Bier aus eigener Brauerei und bayerischen „Schmankerln“ verwöhnt wurden.

Bei schönstem Wetter trafen ab Freitagmittag die ersten Capri ein. Es folgte ein entspannter Nachmittag im Freien - hier konnten sich die Teilnehmer bei einer Maß und Verpflegung aus der Grillhütte von den Strapazen der Anreise erholen. Abends wurde ausgiebig gefeiert. Gründe gab es ja mehr als genug: 50 Jahre Ford Capri, 50 Jahre Mondlandung, 50 Jahre Woodstock und 15 Jahre Capri Freaks Bayern.

Mit Luftgitarren durch die Nacht

Nach der Begrüßung der Gäste durch Renate Niedermaier heizte DJ Beppo allen mit Musik aus den 60er bis 90er Jahren ein. Ab 22 Uhr war dann die Capri-Bar geöffnet. Die Show-Band „ZZ-TAG“ (ZZ Top on Air Guitars) gab zur späten Stunde bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt mit Rauschebärten und Luftgitarren ihr Bestes. Die Feier ging bis tief in die Nacht - erst kurz vor dem Morgengrauen wurde es ruhig im Klosterbräustadl.

Nach kurzer Nacht sorgte am Samstag ein üppiges Frühstücksbuffet für gute Laune unter den Teilnehmern und vertrieb auch den letzten Kater.

Michael May schrieb an diesem Tag im niederbayerischen Seemannshausen unzählige Autogramme. Hier veredelt er den Turbo May von Erek Ramschütz.

Michael May schrieb an diesem Tag im niederbayerischen Seemannshausen unzählige Autogramme. Hier veredelt er den Turbo May von Erek Ramschütz.

Ehrengast Michael May

Als Höhepunkt des Treffens war für den Nachmittag Michael May als Ehrengast angekündigt. Ja, der Michael May, der Anfang der 70er Jahre mit Turbo-Power unter anderem dem Capri „Beine“ machte, und ihm zu einer Leistung von 180 PS und mehr verhalf, lange bevor Hersteller wie BMW oder Porsche auch nur daran dachten, Fahrzeuge serienmäßig mit Turbos auszurüsten. Einen ausführlichen Text über ihn findet ihr in der Capri aktuell 2/2018.

Der Kontakt war über seinen Freund, den Motorsportfotografen Werner Eisele, zustande gekommen. Eisele traf dann auch mittags mit seiner Frau in Seemannshausen ein, vom 85-jährigen Michael May zu diesem Zeitpunkt keine Spur.

Werner Eisele war sich aber sicher, dass sich sein Freund am Vormittag mit seiner Lebensgefährtin aus der Schweiz mit dem Auto auf den Weg gemacht hatte. Da May über Handy nicht erreichbar war, folgten Stunden des Wartens. Um 15 Uhr dann die erlösende Nachricht – Michael May war im Hotel in Gangkofen angekommen. Er wurde standesgemäß mit einem Taunus Turbo May abgeholt und erschien gegen 16 Uhr am Platz.

„Gänsehaut-Moment“ beim Aussteigen, der Rennfahrer, Ingenieur und Forscher wurde wie ein Filmstar - also gebührend - mit Applaus empfangen und war sofort von Menschen umringt. Nach seiner Begrüßung gab er eine ganze Stunde Autogramme – alle mitgebrachten Exemplare des Buches „Turbo May“ wurden verkauft.

Erstaunt über das große Interesse

Michael May war nach eigenen Worten sehr überrascht, welch´ hohen Status sein Name heute noch in der Capri-Szene und darüber hinaus besitzt. Der Besitzer eines raren BMW 2002 Turbo May, extra wegen des Namensgebers angereist, war überglücklich über ein Autogramm des gebürtigen Stuttgarters auf der Motorhaube seines BMW.

Unter einigen Motorhauben konnte Michael May mit Lebensgefährtin Rosemarie Schirmer sein Turbo-Kit beim Treffen im Juli 2019 entdecken.

Renate Niedermaier und Erek Ramschütz hießen den gebürtigen Stuttgarter im Namen der Capri Freaks Bayern willkommen.

Das Luftfiltergehäuse im Taunus trägt nun seinen Schriftzug.

Unter einigen Motorhauben konnte Michael May (links mit Lebensgefährtin Rosemarie Schirmer) sein Turbo-Kit beim Treffen im Juli 2019 entdecken. Das Luftfiltergehäuse im Taunus trägt nun seinen Schriftzug. Renate Niedermaier und Erek Ramschütz hießen den gebürtigen Stuttgarter im Namen der Capri Freaks Bayern willkommen.

Das veranstaltende Team der Capri Freaks Bayern legte eine Veranstaltung hin, an die sich die Teilnehmer noch lange erinnern werden.

Das veranstaltende Team der Capri Freaks Bayern legte eine Veranstaltung hin, an die sich die Teilnehmer noch lange erinnern werden.

Neben dem ebenfalls sehr seltenen Turbo-Taunus von Daniel Jennen waren auch eine Reihe von Capri mit May Turbo mit ihren Besitzern vor der Halle versammelt. May, der 1961 unter anderem zwei Formel 1-Rennen bestritt, nahm sich die Zeit, jedes Fahrzeug zu begutachten und gab den einen oder anderen wertvollen Hinweis. So hatte er gleich bemerkt, dass bei dem Taunus „nicht alle sechs Zylinder im Orchester mitspielen“ und tatsächlich stellte sich heraus, dass ein Kerzenstecker locker war.

Die weiteren Ehrengäste

Weitere Ehrengäste waren Klaus Stoffler aus Blumberg-Fützen (Schwarzwald) und Werner Ortel aus Berlin – beide Turbo-Pioniere der ersten Stunde. Das Autohaus Stoffler hatte seit den 70er Jahren neben der Schwabengarage in Stuttgart die „Produktion“ der May Turbos übernommen - unzählige Capri wurden hier aufgerüstet.

Stoffler, für den Ruhestand ein Fremdwort ist, hilft als Fachmann unermüdlich bei Problemen rund um den Turbo und liefert auch heute noch die geänderte Auspuffanlage für den Capri. Ortel, ebenfalls langjähriger Freund Michael Mays, war bei der Umrüstung der ersten Kundenfahrzeuge beteiligt. Heute ist er unter anderem Spezialist für die Kugelfischer-Einspritzanlage des Capri RS 2600.

Im Anschluss an diesen denkwürdigen Nachmittag standen am Abend wieder die Capri und ihre Besitzer im Mittelpunkt. Nachdem alle Stimmzettel für die Fahrzeugbewertung abgegeben waren, wurden in den Kategorien I, II und III die Gewinner ermittelt und die Pokale überreicht.

Einen Extrapreis gab es unter der Bezeichnung „Ladies Cup“ für den schönsten Capri in Damenhand. Die weiteste Anreise und der größte Capri-Club wurden ebenfalls ausgezeichnet. Nach der Siegerehrung wurde wieder gefeiert, allerdings verhaltender als am Abend zuvor - für alle Teilnehmer stand ja am nächsten Tag die mehr oder weniger weite Heimreise bevor. Am Sonntag hieß es dann nach dem Frühstück Abschied nehmen, das Wochenende verging - wie immer bei solchen Terminen - viel zu schnell. Weitere Bilder zu dieser Veranstaltung gibt es im Netz auf der Seite der Freaks unter www.capri-freaks-bayern.de

Zahlreiche internationale Gäste fanden den Weg nach Seemannshausen.

Zahlreiche internationale Gäste fanden den Weg nach Seemannshausen.

Weißblauer Himmel - so gehört es sich im Freistaat Bayern.

Weißblauer Himmel - so gehört es sich im Freistaat Bayern.

[Text: Erek Ramschütz - Fotos: Tino Pauli, Heiko Schlotter, Ulli Lange & Gabriele Walter]


Mays rechte Hand Günther Vogt

Günther Vogt "rechte Hand" von Michael May

Günther Vogt wurde am 03. April 1945 in Schwäbisch Gmünd als Sohn eines Elektromaschinenbauers geboren. Sein Vater blieb leider im Krieg und so wuchs er unter der Obhut seines Onkels auf, der eine Reparaturwerkstatt für Kraftfahrzeuge und mechanische Geräte betrieb. Das Umfeld war für ihn Spiel- und erster Arbeitsplatz, denn mit Stolz bekam er im Alter von 4 Jahren einen eigens für ihn angefertigten Blaumann, der nach kurzer Zeit den einen oder anderen Ölfleck zeigte.

Im Alter von 14 Jahren begann er seine Lehrzeit als Werkzeugmacher im örtlichen Betrieb der Firma Schenk Maschinenbau und durfte dort wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten nach kurzer Zeit als einziger im Betrieb alle Maschinen und Einrichtungen selbstständig bedienen. Bereits im jungen Alter von 19 Jahren erwarb er den Meisterbrief als Werkzeugmachermeister und wurde daraufhin bald zum verantwortlichen Lehrbeauftragten im Unternehmen ernannt.

In seiner Freizeit betreute und verbesserte Günther das Renn-Motorrad seines guten Freundes Helmut Bopp, der somit 1964 die Deutsche Meisterschaft gewinnen konnte.

In Folge wurde Michael May, ein mit Mercedes- und Ferrari-Rennmotoren erfolgreicher Ingenieur und Erfinder, ebenfalls Rennfahrer, auf Günther aufmerksam und gewann ihn für langjährige gemeinsame Entwicklungsarbeiten an Kfz-Motoren. Dadurch entstand mit der ganzen Familie May auch eine bis zu Günthers Tod andauernde private bis familiäre Freundschaft.

Die Wirk- und Werkstätte war die ehemalige Brauereianlage des Kloster Luzen in Hechingen, ein prominenter Ort, der bereits den Atomforschern Hahn und Heisenberg während der Kriegszeit als Labor diente.

Der Abgasturbolader, - Mays „rechte Hand“ Günther Vogt am Werk.

Der Abgasturbolader, - Mays „rechte Hand“ Günther Vogt am Werk.

Dort begannen beide 1969 die neuartige und später sehr erfolgreiche Entwicklung der ersten Turboladersysteme für Kraftfahrzeuge, Darstellung außergewöhnlich leistungsstarker Rennbootantriebe, Herstellung von künstlichen Smaragden, serienreife Jaguar 12-Zylindermotoren mit neuartigen Brennverfahren, und vieles mehr.

Günther Vogt bei seiner letzten Wirkungsstätte.

Günther Vogt bei seiner letzten Wirkungsstätte.

Dazu notwendige elektronische Regelverfahren führten Mitte der 80er Jahre zu einem Zusammentreffen von Günther und Michael May mit dem erphi electronic-Firmengründer Reinhard Fischer. Nach einer intensiven und erfolgreichen ersten Projektzusammenarbeit ergab es sich, dass Günther sukzessive nach Holzkirchen überwechselte und er mit seinem geschätzten Wissen und seinen Fähigkeiten schließlich festangestellter Mitarbeiter der erphi electronic GmbH wurde. Die Firma begann in einer Pionierphase 1986 mit intensiven Untersuchungen, Entwicklungen und Verbesserungen an Verbrennungsmotoren mit Hilfe eigener elektronischer Steuergeräte für den Vorentwicklungsbereich der Firma Siemens Automotive auszuführen.

[Quelle: Merkur.de Traueranzeigen | Beate Di Mauro vom 26.11.2019]


Die sanfte Gewalt mit TURBO MAY Aufladung

Die sanfte Gewalt mit TURBO MAY Aufladung

Die Lackierung war Standard, die Turbo May-Aufkleber phosphoreszierend, die Kunden kamen von überall her.

Die Lackierung war Standard, die Turbo May-Aufkleber phosphoreszierend, die Kunden kamen von überall her.

Der Abgasturbolader und sein Konstrukteur im Hintergrund.

Der Abgasturbolader und sein Konstrukteur im Hintergrund.

Ein aufgeladener Ford-Motor vor dem Einbau.

Ein aufgeladener Ford-Motor vor dem Einbau.

Die Turbo May-Aufladung wurde für alle Ford Modelle mit 2.3 Liter mit 108 PS und Sechszylinder-Motor entwickelt. Mit diesem Turbolader - die Drehzahlbegrenzung wird bei 5.800 U/Min. erreicht - steigt die Anzahl der Pferdestärken von 108 auf 180. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt bei dieser gedrosselten Drehzahl beim 20M 190 Stundenkilometer, beim Capri sind es 200 Sachen.

Der Turbolader arbeitet nach einem Aufladesystem, mit dem man eine optimale Füllung der Zylinder erreicht. Im Gegensatz zu Kompressoren herkömmlicher Bauweise braucht der Turbolader für den Antrieb keine Motorleistung, sondern er wird durch die Turbine von den Motorabgasen angetrieben. Das heißt, dass der erreichte Leistungszuwachs voll auf die Räder gebracht wird. Erstaunlich ist auch der geringe Benzinverbrauch. Denn durch die bessere Ausnutzung der Treibstoffenergie bleibt der spezifische Verbrauch im Rahmen des normalen Verbrauchs der 2.3 Liter- Maschine. Der Kraftstoffverbrauch mit Turbolader beträgt 13,2 Liter auf 100 Kilometer.

Das Ehepaar May mit einem verbesserten Capri.

Das Ehepaar May mit einem verbesserten Capri.

Michael May: „Ich hatte am Automobil von Kindheit an riesigen Spaß. Geschwindigkeit einerseits, bequemes Vorwärtskommen andererseits. Und das dann noch etwas besser oder schneller oder sparsamer zu machen, das war mir immer ein Vergnügen, das mich gar nicht belastet hat. Ich dachte gerne darüber nach, was für Lösungen man finden könnte. Es war eigentlich die Suche nach Verbesserung des vorhandenen Guten. Warum soll man nicht alle paar Jahre mal eine Verbesserung anbringen? Das war Ende der 60er Jahre, da ging das PS-Rennen los in der Autobranche. Die Kunden hatten mehr Geld, wollten mehr Leistung. Und die Autowerke kamen gar nicht nach mit noch mehr und noch mehr. So haben wir diese Lücke genutzt mit der Technologie, die wir erarbeitet hatten. Aufladen und wir hatten da schlagartig 70 Prozent mehr Leistung."

Mays Ehefrau Christina und der gesamte Einbausatz, der aus einem 2.3 Liter Capri einen Turbo May macht.

Mays Ehefrau Christina und der gesamte Einbausatz, der aus einem 2.3 Liter Capri einen Turbo May macht.

Mit dieser Mehrleistung und etlichen Mehr-PS in einem 2.3 Liter Renncapri ließ May auf dem Hockenheimring die Kollegen in ihren 7 und 8 Liter Stockcars in seinem Windschatten fahren. Rund 4.500 dieser Seriencapri wurden von Fordvertretungen und im Labor von Michael May in Deutschland, später in der Schweiz, mit dem Turbo- Kit zu einem Aufpreis von 4.500 Mark ausgerüstet.

Die positiven Motor-Werte

Auch die Frage nach Lebensdauer und zusätzlichem Verschleiss des Motors ergibt positive Werte.Da der Motor nicht höher dreht, ist die Belastung der auftretenden Massenkräfte (von Kolben, Pleuel, Kolben-Bolzen) nicht größer. Die Turbo May-Aufladung für den Ford-Motor ist so abgestimmt, dass der Motor bis circa 3.200 U/Min. wie ein konventioneller Saugmotor gleichen Typs läuft und behandelt werden kann. Der Fahrer hat nicht den Eindruck, ein getuntes Fahrzeug zu fahren, welches die nahezu doppelte Katalogleistung aufweist. Elastizität, Startwilligkeit, schlechthin die Alltagstauglichkeit sind voll erhalten geblieben.

Ab etwa 3.500 U/Min. (der Lader dreht da ungefähr 30.000 U/Min. und erzeugt einen Ladedruck von circa 0,15 bar) gelangt der Turbolader in Drehzahlbereiche, die ihm zu einem vernünftigen Wirkungsgrad verhelfen. Das Drehmoment steigt mit zunehmender Drehzahl immer mehr an, wo es beim Saugmotor längst seinen Maximalwert überschritten hat. Die höchste Leistung von 180 DIN PS erreicht der Motor bei 5.750 U/Min. Der Lader dreht dort ungefähr 70.000 U/Min. und erzeugt einen Ladedruck von rund 0,7 bar.

Beachtenswert ist die Geräuschentwicklung im „Turbo-Ford“. Im Inneren des Wagens ist überhaupt nichts zu spüren, verkündet die abgestimmte Auspuffanlage lediglich durch einen kernigen Ton der Außenwelt, dass da etwas Besonderes vor sich geht.

Ein weiteres Plus des turbogeladenen Motors ist die Wartung. Die Turbolader- Gruppe mit sämtlichen Nebenaggregaten benötigt keine Wartung. Die Kugellager werden über eine an den Motorenölkreislauf angeschlossene Leitung geschmiert und hauptsächlich gekühlt. Der restliche Motor wird normal gewartet.

Die große Stärke des aufgeladenen Motors liegt nicht in der höheren Spitzengeschwindigkeit, vielmehr wird jedes Überholmanöver zum risikolosen Vergnügen. Für den Einbau einer Turbo May-Anlage wird eine spezielle Turbolader-Gruppe benötigt, die von Dieselmotoren abgeleitet wurde. Das Problem der zu hohen Abgastemperatur wird durch eine vorherige Abkühlung der Auspuffanlage eliminiert. Die Ladegruppe sitzt an der rechten Motorseite. Die Auspuffgase der linken Zylinderreihe werden unter dem Motor hindurch über ein langes Rohr in ein Auspuffsammelrohr aller Sechszylinder auf der rechten Motorseite geführt. In dem langem, quer zur Fahrtrichtung liegenden, Verbindungsrohr wird die Hälfte der gesamten Abgase derartig abgekühlt, dass sich im Sammelrohr eine Mischtemperatur von circa 700 Grad einstellt, die die Dauerbetriebstemperatur der Turbine darstellt. Die Abgase verlassen das Turbinengehäuse axial nach hinten durch ein spezielles Auspuffrohr, das die serienmäßige Auspuffanlage ersetzt.

Die Turbolader-Gruppe stellt ein sehr kompaktes Aggregat dar, was durch die bei Gasströmungsmaschinen verwendbaren hohen Drehzahlen (hier 30.000 bis 100.000 U/Min.) möglich ist. Der in Fahrtrichtung vor der Turbine mit dieser auf einer gemeinsamen Welle sitzende Lader saugt durch einen Luftfilter die atmosphärische Luft axial an und drückt sie in ein Dämpfer-Gehäuse. Unter diesem „Windkessel“ sitzt der modifizierte, serienmäßige Vergaser in seiner Funktion nun als Druckvergaser. Um ihn für diese Aufgabe geeignet zu machen, wird der Luftraum über dem Treibstoff in der Schwimmerkammer über die Schwimmerkammer-Entlüftungsbohrung an den Ladedruck angeschlossen. Lufttrichter, Haupt- und Luftkorrekturdüsen sind selbstverständlich nicht serienmäßig.

Ein patentiertes Verfahren sorgt für einwandfreie Regelung der Luftmengen zwischen Turbolader-Gruppe und Motor. In der Praxis sieht das so aus, dass das Regelventil die Ladeluft hinter dem Lader zeitweilig nach außen abbläst, zum Beispiel wenn die Drosselklappe des Vergasers bei hohen Drehzahlen geschlossen wird. Zur Vollständigkeit der Anlage gehört noch eine elektrische Benzinpumpe, deren Benzindruck automatisch so verändert wird, dass er parallel zum Ladedruck mit 0,2 bar Überdruck verläuft. Das ist nötig, weil der Ladedruck in der Schwimmerkammer zwischen atmosphärischem und maximalem Ladedruck variiert.

[Quellen - Prospekt: TURBO MAY von 1969 | Fotos: Archiv Werner Eisele, Archiv Michael May, Frank Lehmann]


Multitalent Michael May

Multitalent Michael May

Michael May (* 18. August 1934 in Stuttgart) war und ist ein Multitalent, vor allem für die Etablierung des Turbo bekannt und seine Firma Turbo May sorgte in den 60er und 70er Jahren für viel Aufsehen. Aber auch andere interessante Projekte prägten die Laufbahn von Michael May.

Nach der Schulzeit musste May in der Schweizer Armee seinen Dienst antreten. Dass Motoren eine seiner Passionen waren, zeigen dann die ersten Erfahrungen an einem Zweittakt- Flugzeugmotor. Als während des 2. Weltkrieges das Benzin knapp wurde, rüstete May den Motor auf Holzgas um. Auch der Drehkolbenmotor war für ihn ein interessanter Ansatz. Schnell war für ihn aber klar, dass diese Art von Motor aufgrund des Kosten- und Nutzenverhältnisses keinen Erfolg haben würde.

Sein erstes eigenes Fahrzeug war dann mit 18 Jahren eine Kreidler K50, die über einen Motor mit zwei PS verfügte. Selbstverständlich optimierte May diesen Motor umgehend und rüstete ihn mit einer Benzineinspritzung aus. Auch die Fahrzeuge der Familie wurden von May immer wieder verbessert.

Nach dem Abitur besuchte May dann die Eidgenössische Technische Hochschule, um ein Studium zum Maschinenbauingenieur zu beginnen. Die Themen in diesem Studiengang waren Michael May zumeist schon bekannt und forderten ihn wenig heraus.

Michael May mit Mitte 30 und den ersten von ihm getunten Capri.

Michael May mit Mitte 30 und den ersten von ihm getunten Capri.

Das Wissen hierzu eignete er sich oft schon im Voraus selbst an und so hatte er noch genügend Zeit, um weiterhin an seiner Benzineinspritzung zu arbeiten und diese weiterzuentwickeln.

Dazu rückte auch der Motorsport für Michael May immer mehr in den Fokus und bereits nach seinem ersten Rekrutenjahr nahm er an zwei Motorradrennen teil. Schnell wurde er sich aber der hohen Gefahr bewusst und nahm weitere Rennen nur noch mit vier Rädern in Angriff. So tauschte er sein Motorrad gegen einen Nardi-Danese 815 Sport, der natürlich auch oftmals optimiert wurde. Hier testete er auch erste aerodynamische Hilfsmittel und später wurde das Auto zu einem Formel Junior-Rennwagen umgebaut. Gemeinsam mit seinem Vetter Peter konkretisierte May seine Ziele im Motorsport und schließlich war es möglich, einen Porsche 550 Spyder vom Werk zu erwerben.

Das 1000 Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring im Jahr 1956 sollte der erste Einsatz des Porsche für die May- Vetter werden und dies endete in einem bis heute legendären Auftritt.

Gegenüber den auch antretenden Werks-Porsche, die einen neueren Entwicklungsstand hatten, hatte May eigentlich keine Chance. Aber der Spyder der Mays verfügte über einen stattlichen Spoiler über dem Rennwagen, der für ein verbessertes Fahrverhalten sorgen sollte. Mit diesem umgedrehten Flügelprofil generierte der Wagen den erforderlichen Abtrieb. Dazu war der Flügel sogar verstellbar, was zwar noch manuell zu erledigen war, aber schnell umgesetzt werden konnte. In Training am Freitag konnte May so die viertbeste Zeit fahren und deklassierte die Werks-Porsche förmlich. Denn der beste Porsche mit Stirling Moss am Steuer erreichte nur Platz 21. Dies ließ Porsche reagieren und deren Rennleiter Huschke von Hanstein legte Einspruch gegen den Flügel ein, der im Rennen auch abmontiert werden musste. Erst Jim Hall nahm Mitte der 60er Jahre die Idee von May wieder auf und stattet seine Chaparral-Rennwagen damit aus.

Ein aufgeräumter Capri-Motorraum nach der Aufwertung zum „Turbo May“.

Ein aufgeräumter Capri-Motorraum nach der Aufwertung zum „Turbo May“.

Der Motorsport stand weiterhin bei Michael May im Fokus und die Formel Junior war schließlich eine für May interessante Rennklasse. Der Umbau des Nardi-Danese brachte aber nicht den vollen Erfolg und so machte man sich auf die Suche nach einer Alternative. Auf dem Genfer Autosalon 1959 entdeckte Michael May dann einen Stanguellini und ermöglichte die Anschaffung durch eine geschickte Teilung der Summe. So nahm der Händler den Nardi-Danese in Zahlung und May trug sein gesamtes Gespartes zusammen. Die offene Restsumme sollte dann am Ende der Saison beglichen werden. So war May zum Erfolg gezwungen und er trat mit dem Stanguellini bei zahlreichen Rennen an. Er hatte das Ziel, die Europameisterschaft zu gewinnen. Im selben Jahr stand neben dem Motorsport aber auch der Abschluss seines Studiums an und auf geschickte Art und Weise gelang May tatsächlich beides.

Fahrer in der Formel 1

Obwohl er im folgenden Jahr eigentlich seinen Helm an den Nagel hängen wollte, konnte er dem Angebot des Teams von Richard Fitzwilliam nicht widerstehen, einen Lola zu testen. Seine Hoffnungen wurden aber bei einem Unfall auf dem Nürburgring im Juli endgültig zerstört und dies war gleichzeitig das Ende seiner Formel Junior-Zeit. Nach dem Abschluss des Studiums bekam er im gleichen Jahr auch ein Angebot von Mercedes, um dort in der Motorenentwicklung mitzuarbeiten. Seine ersten Ergebnisse lieferte er zur Benzineinspritzung und stellte eine verbesserte Lösung für den 300 SL vor. Sein technisches Verständnis und seine Rennerfahrung sorgten dann auch dafür, dass er für Mercedes an der Rallye Algier-Centrafrique teilnehmen konnte. Dabei gelang May gemeinsam mit Beifahrer Peter Riviere sogar der Sieg gegenüber die favorisierten Citroën ID 19.

Im Jahr 1961 konnte May dann unter der Flagge der Scuderia Colonia in der Formel 1 antreten. Die Scuderia war von Wolfgang Graf Berghe von Trips gegründet worden, dem May schon an der Rennstrecke in der Formel Junior-Zeit aufgefallen war. So kam es zu Einsätzen mit dem vereinseigenen Lotus 18. Beim Rennen in Monte Carlo konnte May dann im Training sogar einen Werks-Porsche fahren und stellte sein Können erneut unter Beweis, denn er war schneller als die Werksfahrer. Dem Grand Prix von Monaco folgte noch das Rennen in Frankreich. Desweiteren war eine Teilnahme am Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring geplant. Wegen eines Trainingsunfalls konnte May allerdings nicht zum Rennen starten.

Das folgende Engagement bei Ferrari markierte dann den nächsten wichtigen Punkt in der beruflichen Vita von May und er konnte mit seinen Entwicklungen die Erfolge der Rennwagen von Ferrari sicherstellen. Auch hier war seine Erfahrung mit der Benzineinspritzung der Weg zum Erfolg und sicherte ihm am Ende gar einen echten Koffer voller Geld.

Richtig wohl fühlte May sich während seiner Anstellungen aber nie, denn er konnte kaum frei entscheiden. Mit dem Geld von Ferrari war schließlich die notwendige Basis geschaffen, um einen eigenen Betrieb zu gründen. Im Oktober 1969 wurde dann die Turbo May GmbH in das Handelsregister eingetragen. Fortan war May so unabhängiger Lieferant für viele Hersteller, die seine Erfahrung im Motorenbau nutzen wollten. Der Turbo war dazu ein neues Spielfeld, welches im Fokus stehen sollte. May konnte hier beeindruckende Leistungen aus unterschiedlichsten Motoren erreichen. Dabei war vor allem die Zusammenarbeit mit Ford sehr wichtig, aber auch Alfa Romeo, BMW, LMX oder Opel wurden mit May Turbos ausgestattet. Beim Lancia Stratos und auch beim energie-optimierten V12-Zylinder-Motor von Jaguar hatte May ebenfalls seine Hände im Spiel und auch der Bootsbau ließ ihn niemals ganz los.

[Quellen - Buch: Turbo May – Rennfahrer, Ingenieur und Forscher | Fotos: Archiv Werner Eisele, Archiv Michael May]